Bist du ein Chaos-Genie?

06.01.2020

Klopfst du gerne so Sprüche wie "Das Genie beherrscht das Chaos" oder auch beliebt "Wer aufräumt, ist nur zu faul zum Suchen"? Und in abgewandelter Form "Meine Kreativität braucht Platz". Das sagt sich so schnell dahin, blöd nur, wenn einem das gezwungene Lächeln im Hals steckenbleibt. Ich plädiere dafür, dass jeder Mensch sein eigenes Mass an Ordnung findet, es muss nicht so aussehen, wie ich es haben möchte, es geht nicht darum, dass ich mich wohlfühle.

Es widerstrebt mir zutiefst, dir eine bestimmte Methode aufzuzwingen, nach der du nur eine beschränkte Anzahl von Dingen behalten "darfst". Warum starr, wenn es flexibel geht? Mein Ziel ist es nicht, Einheits-Wohnräume zu erschaffen, wo man reinkommt und sagt: "Ah, da war wohl die Mylène am Werk!" Wobei der Teil davon zwar schon noch cool wäre ... Es gibt nunmal Menschen, die sich mit etwas mehr wohler fühlen. Ich unterstütze dich dabei, diese Balance in dir zu finden. Und dann gehts plötzlich ganz leicht.

Erstaunlicherweise ist mir noch nie jemand begegnet, der es nicht lieber ordentlich statt chaotisch hätte. Nur sind die Gewohnheitstiere Mensch so eingespielt auf ihr Durcheinander, dass es zu ihrem Normal geworden ist. Was ist denn nun los mit den Leuten, die sich mit flapsigen Sprüchen zu retten versuchen und mir dann doch nicht mehr in die Augen schauen? Ja, sie hätten für ihr Leben gerne (mehr) Ordnung und denken mit Grauen an die vielen fehlgeschlagenen Versuche zurück. Unser System ist so clever, dass es uns (meist erfolgreich oder wenigstens so lange wie möglich) vor Schmerz bewahrt. Und das kennst du bestimmt: Was dir alles einfällt, um nicht aufräumen zu müssen, ist wahrlich ein Meisterstück an Kreativität, nicht? Diese Geschichten, die unorganisierte (ja, meistens sind sie das auch noch) Menschen sich und den andern erzählen, sind weniger ein Bekenntnis zu ihrem Lebensstil als pure Hilflosigkeit:

Sie erkennen ganz einfach nicht, dass

- sie eine andere Wahl treffen könnten.
- es einfacher ist, als sie denken.
- es egal ist, wie sie bisher gelebt haben.
- Aufräumen lernbar ist.
- mehr Zeit kaum aufgeräumter macht.
- mehr Platz das Problem verschärft.

... sie nur eines brauchen: sich einzugestehen, dass es sich Sch..... anfühlt, so zu leben. Und dass jetzt Schluss ist damit.

Und was macht jemand, der sich nicht zu helfen weiss, Angst verspürt, Fehler vermeiden will oder sich selbt aufgegeben hat? Er verharrt in seinem Zustand, sucht und findet Entschuldigungen, Rechtfertigungen und Gründe. Schützt sich, indem er vom Problem ablenkt, zieht sich zurück aus dem Leben und lässt kaum mehr jemanden teilhaben an seinem Daheim.

Wie Aussen, so Innen. Wie viel dieser Enttäuschung über dich selbst, dein Unvermögen, etwas vermeintlich Einfaches wie Aufräumen auf die Reihe zu kriegen, hast du in dir gespeichert, in deinem Körper, deinen Zellen? Wie sehr lässt du es zu, dass es dich bremst, blockiert, boykottiert und dir das Gefühl gibt, du müsstest dich auch sonst im Leben mit den Krümeln zufrieden geben, die aus Versehen von der Tischkante rutschen? 🍪