Die sanfte Art aufzuräumen

30.01.2020

Erinnerst du dich an das letzte Mal, als du so richtig verliebt warst? Am liebsten hättest du ihn aufgefressen, wärest in ihn reingeschlüpft, hättest ihn nie wieder losgelassen, deinen Lieblingsmenschen! ❤️

Stell dir jetzt vor, du würdest dir selbst nur einen Bruchteil dieser (anfangs) bedingungslosen Liebe schenken, so aufmerksam mit dir sein, dich so sehr auf die Zeit und das Zusammensein mit dir freuen, jede Minute wäre kostbar!

Und das gerade in den Momenten, wo du es am Nötigsten brauchst. Zum Beispiel, wenn du inmitten all deiner Sachen stehst, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben. Du bist umzingelt davon, fragst dich:

Was habe ich mir nur dabei gedacht? Wie konnte ich nur soviel kaufen? Ich muss ja völlig von Sinnen gewesen sein. Ich war schon immer chaotisch. Ich muss alles wegwerfen. Und wenn ich wieder das Falsche entsorge und es nachher vermisse? Mir ist wirklich nicht mehr zu helfen!

Wenn ich dir jetzt auf der praktischen Ebene raten würde, mach das und das, wäre das zwar der nächste logische Schritt und nachvollziehbar, vernünftig und praktikabel. Was, wenn das für dich jetzt einfach partout nicht geht?

Statt dir zu erzählen, dass etwas mit dir nicht stimmt, dass du ein ernsthaftes Problem hast, es niemals auf die Reihe kriegen wirst oder andere so nette Sachen, wie wäre es, tief durchzuatmen, dich umzusehen und eine Einheit Goodwill über dir zu ergiessen, so à la

Ich bin so ein kreativer Mensch und hatte 1000 Ideen, was ich mit diesen Sachen mal machen könnte. Ich kann nachvollziehen, dass ich so viele Utensilien gekauft habe. Ich erinnere mich noch so gut daran, wieviel Freude es mir gemacht hat, diese Sachen auszuwählen. Ich habe all das mit soviel Liebe zusammengesucht und ich finde auch den Weg, es in eine übersichtliche Form zu bringen. Ich war mir so sicher, das alles noch zu brauchen. Ich muss nicht alles auf einmal erledigen. Wenn ich es geordnet habe, macht es mir so viel Freude - und als Belohnung finde ich alles auf Anhieb.

Und es geht jetzt nicht darum, Ausreden zu finden. Es geht darum, dass wenn es dir schwer fällt, diese Gedanken des Zweifels, der Überforderung loszulassen, geschweige denn ins Positive zu drehen, dass du dich einfach mal liebevoll betrachtest und milde mit dir und deinem Urteil bist.

Du musst nicht von schwarz auf weiss wechseln, dich um 180 Grad drehen oder von einem Extrem ins andere verfallen. Du bist immer noch du. Und das ist gut und völlig ok so. Du näherst dich mit dieser liebevollen Haltung peu à peu deinem aufgeräumten Ziel. Weil die Schockstarre, einen möglichen riesengrossen Fehler zu machen, von dir abfällt. Es geht also immer nur darum, eine kleine Verbesserung deines Gefühls zu erreichen. Ein ganz klein Bisschen reicht. So gut es in diesem Augenblick für dich möglich ist.

Bevor du nicht deinen emotionalen Zustand verbesserst, dich also besser fühlst, wirst du nicht vorwärtskommen oder nur sehr langsam und unter grösster Anstrengung. Und davon hattest du schon genug in deinem Leben. Die Klarheit wird sich anschliessend in deinen Gedanken widerspiegeln - und wie durch Zauberhand wird dir augenblicklich klar, wie du es anzupacken hast. Was für eine Befreiung!