Warum dein Körper keine Heilung braucht.

06.10.2019

Nun hatte es mich nach langer Zeit wieder mal erwischt. Die Grippe umarmte mich leidenschaftlich und scheinbar endlos. Ich durchlief verschiedene Stadien dieser - wie schon hinlänglich erfahren - rund sieben Tage dauernden Odyssee. Zuerst die Verdrängung: Nö, das wird schon nicht so schlimm, das ist nur ein Schnupfen. Dann die Erkenntnisphase: Oh weh, es ist doch ärger als befürchtet. Dann die Ok-ich-ergebe-mich-Phase: Da ging gar nichts mehr, meine Kopfschmerzen schienen kein Ende mehr zu nehmen und meine Gedanken spielten verrückt und erzählten mir tatsächlich, das würde nie mehr bessern. Besonders wirksam in Kombination mit der Warum-immer-ich?-Phase.

Und genau so gestaltete sich mein Medikamenten-Cocktail: Zuerst allopathische Grippemittel, die das Schlimmste verhindern sollten und es doch nicht taten. Dann Spagyrik, für den sanften Teil in mir und Inhalieren. Als die Kopfschmerzen immer ärger böser wurden (erstaunlich, dass etwas, das sich Neben-Höhle nennt, so schmerzen kann), waren die drei Tage, an denen ich allergiefrei Medis einnehmen kann, vorüber und ich hatte kein Kontigent mehr an Schmerzmitteln, die ich mir ohne roten Ausschlag auf dem Bauch und nicht endendem Juckreiz reinwerfen konnte.

Tja, wie weiter? Ich war arg im Stress. Obwohl ich krank war und Ruhe und Erholung brauchte, plagte ich mich damit, was ich ausprobieren sollte, surfte und befragte die virtuelle Welt.

Plötzlich dämmerte es mir inmitten meines wummrigen Schädels: Es geht ausschliesslich darum, den Verstand zu heilen ... Wenn ich mir anschaute, mit was für Gedanken ich mich die vergangenen Tage auf Trab gehalten hatte, stimmte das tatsächlich. Was da abging, vor allem nachts, wenn ich nicht schlafen konnte, war filmreif - Horror pur. Ich drohte meinem Körper, er solle ja nicht krank werden. Und als er es wurde, hetzte ich ihn und schrieb ihm vor, bis wann ich wieder gesund sein wollte.

Wenn ich ja eh eine Woche krank bin - und auch das ist nur ein Glaubenssatz, der natürlich aus meiner jahrzehntelangen "Erfahrung" mit Erkältungen entstanden war - kann ich die Medis auch weglassen und mir Ruhe gönnen, meinen Spagyrikspray nehmen (einen und nicht drei parallel), Tee trinken, meine neue Nasendusche ausprobieren, Inhalieren - alles sanfte Methoden, die mir gut tun. Und wenn ich das Kopfweh doch noch kriegen sollte, habe ich ja noch die Schmerztabletten im Köcher.

Und mein Verstand hat sensationelle Arbeit geleistet, er hat mich nämlich nur an die Sequenzen erinnert, die mein negatives Bild unterstützt haben. Es stimmt nämlich gar nicht, habe ich herausgefunden, jedenfalls nicht so absolut, wie ich es mir seit langem erzähle:

  • Ich bin entweder gesund oder krank.
    Ich fühlte mich schon ein paar Tage vorher müde. Und ignorierte es.
  • Am Schluss der Erkältung kriege ich immer schlimmen Husten.
    Ein bisschen Husten habe ich, ja. Nicht weiter tragisch.
  • Diese Schmerzen gehen nie mehr vorbei.
    Nach zwei Tagen und Nächten waren sie weg, wie früher schon.

Und als ich realisierte, wie unfreundlich ich mit mir umgegangen war, wo mein Körper mich doch so gebraucht hätte und mir etwas mitteilen wollte, war ich wieder dankbar dafür, dass es mir so oft so gut geht. Und versuchte nicht mehr, das Kranksein bzw. meinen Körper als etwas ausserhalb von mir anzusehen, das (gerade) nicht zu mir gehört.

Und erfreut darüber, dass ich dennoch sanfter als früher zu mir bin. Da hatte ich nämlich Homöopathie aus der Drogerie, die ich alle 15 Minuten nehmen sollte, bis es bessert. Für Perfektionisten wie mich ein Gräuel: Ich wollte es doch so gut machen und ganz schnell gesund werden und stellte die Eieruhr, alle 15 Minuten aufs Neue. Und mein Körper war so müde und hätte so gerne nur geschlafen ...

Sei lieb zu deinem Körper, du hast nur den einen.